Teamboard im Eigenbau

Teamboards, Kanban-Boards, Taskboards oder wie sie alle heißen: Diese mit ein paar Linien unterteilte Pinnwände mit aufgeklebten Post-Its sind schon fast ein synonym für Agile Methoden. Hier erfahrt Ihr, wie man sich ein flexibles und leicht transportables Teamboard mit wenig Aufwand selber bauen kann. 

Plakat, Whiteboard und Co 

Ein Teamboard einzurichten ist einfach. Für den Anfang reichen vielleicht schon ein paar Post-Its und eine freie Schrankwand. Wer ein Whiteboard hat, kann darauf fix ein paar Linien ziehen, die Spalten beschriften, und fertig ist das Teamboard! Man kann auch eine Vorlage zeichnen, beispielsweise mit Power-Point, und das Ganze als Plakat ausdrucken, vorzugsweise mit einer glatten Oberfläche, damit die Post-Its besser haften.

Blöd nur, wenn man das Daily einmal woanders veranstalten muss: Jetzt schnell 30 Post-Its abnehmen und am neuen Ort in der richtigen Reihenfolge aufkleben? Das macht keinen Spass! Auch Plakate machen mitunter keine Freude: Irgendwie sind die Spalten immer nicht richtig, manchmal bräuchte man eine mehr oder die Breite reicht nicht aus.

Ein flexibles und transportables Teamboard im Eigenbau

Gut, dass es etwas Besseres gibt! Das Teamboard, das ich euch hier vorstelle

  • ist leicht transportabel,
  • hat eine leicht veränderbare Aufteilung,
  • bietet die Möglichkeit selbstklebende Zettel zu verwenden oder Kärtchen mit Pinnnadeln zu fixieren und
  • kann – für die Ästheten unter uns – beliebig farbige Oberflächen haben.

Alle Zutaten gibt es für wenig Geld im Dekoladen oder im Internet. Und so geht’s:

1. Die Grundplatte

Der Grundbaustein für unser Teamboard: Eine Kapa-line-Platte

Die Basis für unser flexibles Teamboard bildet eine KAPA-line-Platte. Das ist eine stabile und trotzdem sehr leichte Schaumstoff-Platte, die auf beiden Seiten mit Karton kaschiert ist. Man erhält sie in weiß (glänzend) und in schwarz (matt). Es gibt auch Kapa-Platten, die auf einer odrr beiden Seite eine Doppelklebefolie haben, so dass man Poster, Tonpapier oder Zeichkarton vollflächig aufkleben und damit man dem Board jede beliebige Farbe geben kann.

KAPA-line-Platten gibt es in verschiedenen Größen und Dicken. Gut geeignet sind diese Abmessungen:

  • 700 x 1000 x 15 – 20 mm für ein Personal-Kanban
  • 1000 x 1400 x 15 – 20 mm für ein Teamboard.

Eine ausreichende Plattendicke ist wichtig, weil Pinnadeln sonst hinten rausgucken und man sich verletzen kann.

2. Die Kanten

Wenn ein Teamboard häufig transportiert wird, können sich mit der Zeit die Plattenkanten ziemlich abstoßen. Ein Kantenabklebung mit weißem Gewebeband kann das verhindern. Ich empfehle, den Kantenschutz zusammen mit einem farbigen Finish für das Board anzuwenden, weil es ziemlich schwierig ist den Kantenschutz akkurat auszuführen, was ziemlich unschön aussehen kann.

Links: Kapa-line-Platte mit Kantenschutz aus weißem Gewebeband Rechts: Teamboard ohne Kantenschutz. Hier wurde für die Oberfläche ein grau-blauer Zeichenkarten von der Rolle mit Sprühkleber aufkaschiert

3. Die Linien

Die Linien sind das Killerkriterium dieses Konzepts: Sie bestehen aus angepinnten Bädern. Ich nehme hierfür opake Organzabänder, weil sie flach und gut sichtbar sind. Man kann aber auch Kordel oder Wollfäden nehmen. Mit dieser Methode läßt sich die Aufteilung des Boards beliebig verändern.

Von links nach rechts: Rot-weiß-Kordel, opakes Organzaband, Pinnnadeln, Linien/Aufteilung mit gepinnten Organzabändern
Eigenbau-Teamboard mit gepinnten Linien

4. Die Aufhängung

Am Anfang habe ich selbstklebende Spiegelaufhängungen verwendet, die bombig halten. Die Erfahrung hat gezeigt, dass Leichtplatten-Aufhänger völlig genügen. Diese kann man von Hand auf der Rückseite in die Platte eindrücken und eventuell mit etwas Klebeband zusätzlich fixieren. Die Teamboards sind so leicht, dass Pinnnadeln oder dünnen Nägelchen als Aufhänger ausreichen.

Von links nach rechts: Selbstklebende Spiegelaufhängung + Wandhaken, Kwick-Hänger für Leichtschaumplatten

Farbige Oberfläche

Mir persönlich behagt die weiße Oberfläche der KAPA-Platten nicht. Deswegen klebe ich gerne dünnen Zeichenkarton von der Rolle auf. Die Kunst ist, dabei keine Wellen, Blasen oder Falten zu produzieren. Dazu muss man das Finish vollflächig aufkleben. Ich stelle hier zwei Methoden vor. In beiden Fällen braucht man eine helfende Hand.

Es kann gut sein, dass ihr keinen fertigen Zeichenkarton passend zur Plattengröße bekommt. In Dekoläden und Internetshops gibt es für solche Fälle oft einen Zuschnittservice. Wenn ihr es selber machen wollt, empfehle ich den Zeichenkarton zunächst etwas überstehend aufzukleben. Nach dem Kleben könnt ihr dann das Überstehende mit Cutter und Schneidelineal akkurat passend schneiden.

Methode 1: Kapa-Fix (teuer, dafür sauber)

Es gibt Kapa-Fix-Platten, die bereits mit einer Doppelklebefolie ausgestattet sind. Diese Platten sind allerdings deutlich teurer und auch nicht in allen Formaten und Dicken erhältlich. Dafür ist das Aufziehen von Postern oder Zeichkarton eine saubere und schnelle Angelegenheit.

Kapa-fix-Platte mit Doppelklebefolie

So geht es:

Zeichenkarton mit Doppelklebefolie aufkaschieren
  • Doppelklebefolie in mehreren Abschnitten anritzen
  • Zeichenkarton mit Pinnnadeln fixieren
  • Zeichenkarton auf einer Seite lösen und anheben
  • Schutzfolie abziehen
  • Zeichenkarton nach und nach auf die Klebefläche absenken und gleichzeitig von innen nach außen ausstreichen, damit sich keine Blasen und Falten bilden
  • Platte drehen und den Karton in kleinen Abschnitten wie eben beschrieben aufkleben

Methode 2: Sprühkleber (cheap and dirty)

Deutlich günstiger ist das Aufkleben mit Sprühkleber. Allerdings erfordert diese Methode etws Vorbereitung, weil sich der Sprühnebel recht großflächig verteilt.

Ein Ambiente mit Vorwerk-Teppichböden, dazu ein schicker Anzug und italienische Edeltreter sind für die Klebeaktion nicht zu empfehlen 😉. Man braucht vielmehr entweder einen Raum, wo man rumsauen kann oder man muss sich die Mühe machen, eine große Malerplane oder reichlich und großflächig Zeitung unterzulegen. Alte Kleidung und eine Staubmaske sind auch hilfreich. 

Ausserdem empfiehlt es sich, die Platten auch auf der Rückseite zu bekleben, damit sich die Platte später nicht verzieht (Gegenzug).

So geht es:

Zeichenkarton mit Sprühkleber aufkaschieren
  • Den Zeichenkarton mit Pinnnadeln fixieren
  • Zeichenkarton auf einer Seite lösen und anheben
  • Die Kapa-Platte gleichmäßig, nicht zu dick mit Kleber besprühen
  • Den Kleber kurz ablüften lassen
  • Den angehobenen Karton Stück für Stück auf die Klebefläche absenken und gleichzeitig gleichmäßig mit den Händen von innen nach außen blasenfrei ausstreichen. 
  • Platte drehen und den Karton in kleinen Abschnitten wie eben beschrieben aufkleben

Beispiele

Das ist das Personal Kanban-Board, das ich selbst verwende. Es besteht aus einer 15 mm dicken, schwarzen Kapa-line-Platte mit aufgepinnten weißen Organzabändern. Als Kärten verwende ich Post-Its, die leider mit der Zeit oder nach mehrmaligem Umhängen anfangen herabzurieseln wie Blätter im Herbst. Deswegen fixiere ich sie mit Pinnadeln. Für die Aufhängung habe ich Kwick-Hänger für Leichtschaumplatten verwendet. In der Wand genügen zwei Pinnadeln.
Das ist ein echtes Teamboard für ein Projekt mit Scrum. Basis ist eine 15 mm dicke Kapa-Platte, auf die mit Sprühkleber dünner Zeichenkarton von der Rolle aufgeklebt wurde. Die Linien bestehen aus mit Pinnnadeln befestigten Organzabändern. Sie wurden im Laufe des Projekts schon viele Male versetzt. Die Aufhängung ist mit selbstklebenden Spiegelhalterung und eingedübelten Wandhaken erfolgt.
Hier wurden gleich vier Boards zusammengekoppelt um einen Zeitplan für parallel verlaufende Projekte darzustellen. So etwas kann man natürlich auch mit Software darstellen. Hier kam es aber darauf an, den Zeitplan im Team mit allen Projektleitungen zusammen zu pinnen und zu diskutieren. Der Plan wurde bei den Abstimmungstreffen gemeinsam fortgeschrieben (oder genauer weitergepinnt 😉). Die Konstruktion der Boards entspricht dem zweiten Beispiel.
In diesem Beispiel wurden die oben gezeigten Boards für einen Workshop umgebaut. Die Linien wurden hier mit schwarzen Wollfäden realisiert.

Autor: rizzolasblog

Ich bin Architekt und Organisationsentwickler. Meine Artikel drehen sich um alle Themen, die mich beruflich oder privat (ist das wirklich ein Unterschied?) interessieren. Meistens geht es um Agilität und Organisationsentwicklung, Literatur, Film, Architektur und Japan. Ich freue mich immer über konstruktives Feedback oder blickerweiternde Widerrede.

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